ich hab noch im hinterkopf was du geschrieben hast. " möchte es gerne "visuell kennen lernen", weil mir das Motiv gefällt" und nun sehe ich keinen leguan sondern unerwartet obiges. meine reaktion darauf : soso, visuell kennenlernen ;-) ? interessant daran ist, dass ich so ein motiv nie zustande bringen, bzw. es von vornherein ablehnen würde.
zwischendurch war mir aber was anderes aufgefallen.
ich hab mal eine hand gezeichnet. die sich dem betrachter entgegenstreckt. in der hand eine blüte. eine blüte von einem blattkaktus. riesig. rot. ich hab sie photographiert. dann gezeichnet. tolles bild. aber sooo genau hab ich mit der blüte nicht genommen. wichtig war mir, dass das bild gut aussieht, die aussage gut rüberkommt. hab das bild verschenkt. war ein dankeschön.
und jetzt ist folgendes passiert. sicherlich vermutest oder weißt du wegen "silent prayer", dass ich jemanden kenne der blind ist. das ist es , was wiederum mich wahnsinnig macht. anfang des jahres hat mich das ziemlich beschäftigt. mir fehlt damit eine kommunikationsform. ich kann nicht einfach hingehen und ein bild zeigen. ich kann diesen menschen nicht berühren. wir haben am anfang mal darüber geredet. ich hab dann das bild silent prayer gemalt weil ich mir so sehr wünschte, dass es anders wäre.
aber zurück zu dem "ich kann nicht". kann ich nicht? kann ich doch! ich kann die bilder beschreiben. wir haben so einen draht zueinander, dass die bilder irgendwie doch ankommen. ich hab inzwischen viele meiner bilder einfach erzählt.
wobei einfach erzählt auch wieder nicht ganz stimmt. ich erzähle nicht einfach. ich bin ziemlich verschlossen und schweigsam.
ja. es stimmt. so ziemlich jedes meiner bilder bedeutet was. es gibt genau diese eine person, die sie zwar nicht sehen kann, aber der ich die bilder erzähle. da fällt mir gerade auf, clever gelöst. ich erzähl ja dann nicht von mir sondern "nur" ein bild. und ich erzähl sie nur, weil die person nicht sehen kann.
jeden der sie sehen kann, den lass ich über meine motive im unklaren. freier interpretationsspielraum. im richtigen leben sieht die bilder kaum jemand. fast alle poste ich hier und fast niemand sieht sie hier.
zurück zum "ich kann doch".
zum geburtstag hab ich kein bild gemalt sondern einfach was gewagt. diese eine besondere riesige blüte beschrieben. ich bin zuerst mit dem lineal um die blüte geschlichen und hab jede blattsorte vermessen. jedes einzelne detail. anzahl, länge, breite, struktur, farbe, geruch und dann alles ganz genau aufgeschrieben. per mail geschickt. der computer liest es dann vor.
also hab ich die blume zuerst nur visuell wahrgenommen und in ein bild übertragen. aber so richtig kennengelernt habe ich sie erst, als ich das für meinen "sprachsinn" brauchte um sie zu beschreiben.
kompliziert.
Hallo,
AntwortenLöschenhey, auch der menschliche Körper ist was Schönes, da sehe ich keinen Widerspruch. ;)
Aber letztendlich muss halt jeder selbst wissen, was ihm/ihr gefällt und womit man seine Zeit verbringen möchte. Den Leguan habe ich im Moment wieder auf Eis gelegt. Ich hatte ja schon geschrieben, dass ich mit dem Ergebnis nicht so zufrieden bin. Das Motiv gefällt mir zwar immer noch, aber wenn ich jetzt schon weiß, dass das Ergebnis nicht so werden wird, wie ich es will, demotiviert mich das doch ein bisschen (auch wenn ein Außenstehender es vielleicht gar nicht misslungen finden würde...). Vielleicht fällt mir irgendwann noch was Schlaues ein, wie ich die unschönen Stellen vertuschen kann oder ich fange nochmal komplett neu an.
Zu dem Rest deines Textes: Ich finde das total Klasse! Sowohl was du beschreibst als auch den Text dazu. Es fällt mir schwer, etwas dazu zu sagen, weil ich so etwas noch nie gemacht habe. Ich weiß auch nicht, ob ich es könnte, selbst wenn ich jemanden hätte, der sie nicht sehen kann. Die Bilder sollen für sich selbst stehen. Sie zu erklären wäre für mich glaube ich wie sie aus dem Medium zu reißen. Ich habe es gezeichnet, weil ich es nicht schreiben oder anders darstellen kann, für die Textfassung müsste ich komplett neu anfangen.
Ist übrigens ganz interessant - ich habe kürzlich mal mit was Neuem angefangen: Specksteine. Die ersten beiden Ergebnisse wurden gerade vor Kurzem veröffentlicht. Da habe ich jetzt natürlich noch nicht viele Erfahrungswerte, ich mache es ja erst seit Kurzem, aber bei meinem Erstling hatte ich mir fest vorgenommen, erst einmal mit etwas Abstraktem zu starten, damit ich nicht enttäuscht werde, wenn es mit der Technik nicht gleich klappt und die Form nicht so wird, wie ich will. Und im Gegensatz zum Zeichnen geht das mit Stein bei mir anscheinend ganz gut. Die dritte Dimension und der haptische Effekt machen einen Unterschied für die Motivwahl und dessen Darstellung.
Für jemanden, der nicht sehen kann, würde ich etwas aus Stein machen, anstatt eine Zeichnung anzufertigen.
Wobei mir einfällt: Du machst das auch. Du schreibst oder erzählst einen Text, anstatt eine Zeichnung anzufertigen. Aus einer Kunstform werden zwei.
Ja, es ist kompliziert.
Und zum Thema „fast alle poste ich hier und fast niemand sieht sie hier.“: Das wird aber nicht so bleiben. Vor vier Jahren habe ich mit den Kochrezepten angefangen – nur für mich, ohne irgendwo groß Werbung zu machen. Trotzdem schauen da immer wieder Leute vorbei, Tendenz steigend. Wenn du lange genug dabei bleibst, wird das mit deinen Bildern auch so sein. Es hinterlässt vielleicht nicht jeder einen Kommentar, aber das heißt ja nicht, dass keiner da war. ;)
LG
Susanne
hi du,
AntwortenLöschendanke.
ich mag die diskussion sehr. vor allem wird mir einiges bewusst. solche dinge beobachte ich gern. find ich irgendwie spannend.
lg
charlie